Muslim Jewish Leadership Council (MJLC)
Begrüßung und Empfang
Einen wunderschönen guten Morgen! Ich freue mich wirklich sehr über Ihr und euer zahlreiches Erscheinen. Es ist schön, so viele vertraute Gesichter und liebe Freunde zu sehen. Am liebsten würde ich jeden von Ihnen persönlich begrüßen, aber die Zeit ist knapp und mir wurden maximal fünf Minuten gegeben. Allen, die ich heute zum ersten Mal treffe, rufe ich ein herzliches Willkommen zu. Ich freue mich sehr auf das Kennenlernen, den Austausch und neue Vernetzungen.
Die Rolle und Relevanz des MJLC
Warum existiert der MJLC, der Muslim Jewish Leadership Council, überhaupt? Was macht diese Initiative so wichtig für Europa, für Österreich und ganz besonders für die Städte, vor allem heute für unser schönes Wien und andere europäische Gemeinden, die heute im Mittelpunkt stehen? Und was bedeutet unsere Arbeit konkret für die lokale Ebene, für Gemeinden, Bezirke, Behörden sowie alle städtischen und staatlichen Institutionen?
Gemeinsame Verantwortung seit 10 Jahren
Wenn der bekannte Leitsatz „Global denken, lokal handeln“ irgendwo zutrifft, dann genau hier. Ich verrate in dieser anspruchsvollen Runde kein Geheimnis, wenn ich sage: Die muslimisch-jüdischen Beziehungen haben im letzten Jahrhundert schwer gelitten und viele Rückschläge erlebt. Genau deshalb haben wir den MJLC vor zehn Jahren gegründet. Nicht um theoretischen interreligiösen Dialog zu führen oder bloßes Kennenlernen zu pflegen, sondern um den realen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam als Juden und Muslime, als Bürgerinnen und Bürger Europas, zu begegnen.
Umgang mit globalen Spannungen vor Ort
Niemand von uns leugnet die enormen Spannungen, etwa im Nahen Osten, oder die tiefen emotionalen Bindungen unserer Communities zu jener Region. Unser Ziel ist es jedoch zu verhindern, dass diese Konflikte in unsere Städte, Straßen, Bezirke und Schulen getragen werden. Ganz klar: Differenzen ja, Konflikte importieren nein.
Religionsgemeinschaften als Ressource für Gemeinden
Religiöse Gemeinschaften werden leider oft noch als Last wahrgenommen. Sätze wie „Ich möchte mit Religion nichts zu tun haben“ hören wir sehr oft. Übersehen wird dabei, dass niemand von uns daran interessiert ist, theologische Diskussionen zu führen. Es geht darum, wie wir Modelle finden, um konstruktive Partner und eine wertvolle Ressource für unsere Gemeinden zu sein. Sozialer Zusammenhalt statt der ewig leidvollen Integrationsdebatte. Genau das ist der Kern unseres heutigen Workshops: Wir wollen gemeinsam erörtern, wie Gemeinden und Religionsgemeinschaften Hand in Hand arbeiten können, um das Zusammenleben vor Ort aktiv zu gestalten.
Ein neues Modell der Kooperation
Früher war es üblich, dass Dritte, sei es der Staat oder christliche Institutionen, Muslime und Juden an einen Tisch holten. Heute drehen wir den Spieß um: Wir Muslime und Juden sind gemeinsam die Gastgeber. Wir laden die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft ein, um zu zeigen: Hier entsteht nicht nur ein friedliches Nebeneinander, sondern ein echtes Mit- und Füreinander, trotz aller Differenzen.
Vorreiterrolle in Österreich und Europa
Ich wage zu behaupten, dass eine solche Konstellation, wo Muslime und Juden gemeinsam als Gastgeber und Veranstalter für die Gemeinden auftreten, in dieser Form einzigartig ist in Österreich, wenn nicht in ganz Europa.
Besonders betonen möchte ich die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Rabbinern und Imamen in Österreich und Wien. Unsere Freunde von der jüdischen Seite haben stets eine klare Haltung gegen jede Form von Diskriminierung bewiesen, und wir sind immer gemeinsam entschlossen gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit aufgetreten.
Vielen Dank!